KONZEPT „PäP“

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SPFH = Sozialpädagogische Familienhilfe nach §§ 27 – 35 SGB VIII

Bernd Sieberichs

Erlebnispädagoge, Autor, Schreibtherapeut

 In Zusammenarbeit mit :

 Praxis für Klinische Hypnose

Anja Sieberichs

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Hypnosetherapeutin

Hypno-Analytikerin (Europäisches Diplom)

  

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen,

durch die sie entstanden sind.“

ALBERT EINSTEIN

1. Präambel

Die Pädagogische Praxis „PäP“ versteht sich als sozialpädagogische Erziehungs- und Familienhilfe nach §§ 27 – 35 mit Ausnahme der §§ 33 und 34. Hauptaugenmerk gilt den §§ 30 (Erziehungsbegleitung, Betreuung), 31 (intensive sozialpädagogische Betreuung, aufsuchende Hilfe), 32 (Tagespflege, Familienpflege) und 35 (intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung) SGB VIII auf Grundlage der §§ 77, 78 SGB VIII.

   Unsere Zielgruppe sind (bevorzugt) männliche Kinder und Jugendliche (10 bis 20 Jahre) im schulpflichtigen Alter oder in Ausbildung, die zu Hause oder in Heimunterbringung leben, sich kurz vor oder bereits in Inobhutnahmemaßnahmen befinden oder von der Kinder- und Jugendhilfe und den zuständigen Jugendämtern begleitend betreut werden und aus den verschiedensten Gründen der weiterführenden, intensiven und individuellen (sozial-) pädagogischen Betreuung bedürfen.

   Wir wissen aus persönlichem Erleben und aus zahlreichen Gesprächen mit Lehrern, Erziehern, Heimleitern, Elternhäusern und Patienten in unserem jeweiligen beruflichen Umfeld, dass es zahlreiche Kinder und Jugendliche im nördlichen Schleswig-Holstein mit seinen vielen Kleinheimen gibt, die trotz bestehender Schulpflicht nicht beschult werden, weil ihr Sozialverhalten oder andere Umstände das zur Zeit nicht zulassen oder die ganz allgemein große Schwierigkeiten im Gestalten ihres Alltags haben.

   Diese jungen Menschen werden durch unsere Hilfe zur Selbsthilfe befähigt, die Anforderungen eines geregelten Alltags und die weitere Schulausbildung in einer Regelschule wieder selbstständig zu bewältigen.

   Die Entwicklung und Reifung junger Menschen im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt ist voller Herausforderungen – für den Heranwachsenden selbst, für sein familiäres Umfeld und für seine gesamte soziale Umgebung. Hier ist Kommunikation besonders wichtig. Aber hier fällt sie oft genug auch besonders schwer.

   Die „PäP“ sieht sich als Mittler und als eine Art Kommunikations-Coach für alle Beteiligten eines entwicklungsbegleitenden Kommunikationsprozesses, der gestaltet werden will.

   Der therapeutische, soziale und vor allem pädagogische Inhalt unserer Arbeit zielt darauf ab, vorhandene Ressourcen zu stärken, Defizite auszugleichen, Wissen zu vermitteln und neue Verhaltensmuster anzulegen, damit die jungen Menschen dauerhaft und bleibend in ihren Lebensalltag integriert werden und ihr zukünftiges Leben in Eigenverantwortung gestalten können.

2. Vertrauen in eigene Stärken wiederfinden

Für Menschen ab dem 4. Schuljahr bieten wir eine ganzheitliche Lern- und Lebenshilfe an, die nicht nur nachhaltig Defizite in ihrer persönlichen Entwicklung ausgleicht und beseitigt, sondern gleichzeitig die Persönlichkeitsbildung unterstützt, das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen des Individuums stärkt und hilft, pädagogische Lösungen auch für gesundheitliche Probleme zu finden.

   Die Hilfe zur Erziehung nach SGB VIII § 27 – 35 in Verbindung mit §§ 77, 78 wird entweder als Fachleistungsstunden oder im Rahmen einer gesonderten Leistungs- und Entgeltvereinbarung folgende Leistungen beinhalten:

3. Förderung und Stützung der Persönlichkeit

    Beziehung herstellen

    Lernbereitschaft aufbauen

    Schulische Defizite aufarbeiten (Orientierung nach den jeweiligen Schulplänen, „finnisches Modell“)

    Sozialkompetenz fördern

    Erkunden des familiären Hintergrunds

    Rituale entwickeln

    Tägliches, planvolles Begleiten durch einen strukturierten Alltag

    Individuelle Schwächen ausgleichen durch individuelle Stärken

    Werkunterricht (ergo- und/oder lerntherapeutische Begleitung möglich)

    Sportunterricht (psychomotorische Begleitung möglich)

    Schulgarten (Integrationstraining möglich)

    Psychotherapeutische und lerntherapeutische Begleitung

4. Lernen „Eins zu Eins“ oder in einer Kleingruppe

    In der Regel erfolgt eine Einzelbetreuung. Eine Lerngruppe wird eine Gruppenstärke von maximal drei Kindern haben. Dadurch wird die gezielte soziale, emotionale und kognitive Lernleistung der einzelnen Kinder besonders gefördert. Die Kommunikationsfähigkeit wird gesteigert. Neue Verhaltensmuster zum Umgang mit Konflikten werden angelegt und geübt. Die gruppendynamischen Prozesse innerhalb der Kleingruppe bewirken eine verbesserte Integrationsfähigkeit des Einzelnen.

5. Leistungsbeschreibung

    Die Pädagogische Praxis Bernd Sieberichs (im Folgenden kurz: „PäP“) arbeitet nach den Grundlagen einer ganzheitlichen Pädagogik, die als professionelle, pädagogische Dienstleistung auf einer wissenschaftlich, empirisch erarbeiteten Basis (der Waldorfpädagogik) fußt – ergänzt mit Erfahrungswissen, Fachkompetenz und Synergien aus zehn Jahren erfolgreicher Tätigkeit in der Schule, der Jugendhilfe und der Pflege.

       Die Arbeit in der „PäP“ beinhaltet sowohl eine fortlaufende, an den staatlichen Lehrplänen orientierte Lernunterstützung als auch eine therapeutisch begleitete Integration in schulische und familiäre Strukturen, befasst sich mit gestörten Lern- und Erlebensprozessen der Jugendlichen unter Berücksichtigung der Lerninhalte und der Auswirkungen auf alle beteiligten Personen.

       So unterscheidet sie sich grundlegend von einem reinen Nachhilfeunterricht oder einer Psychotherapie.

       Die Arbeit in der „PäP“ beginnt mit der Diagnose der Lernstruktur und der Lernvoraussetzungen, um zu einer Klärung der Situation zu kommen. Die Ziele werden für den Einzelfall individuell festgelegt. Mit den Eltern, Lehrern und Jugendämtern wird das gemeinsame Vorgehen ausführlich diskutiert und abgesprochen. Da die Bezugspersonen mit ihren Erwartungen, Hilfestellungen, Befindlichkeiten und ihrem Erzieherverhalten maßgeblicher Bestandteil der Lernstruktur sind, ist die Beratung und Aufklärung der Eltern und Erziehungsberechtigten in Form von Gesprächen ein wesentliches Element der ganzheitlichen Pädagogik.

       Die Absprachenbetreffen sowohl die inhaltlich-methodischen Aspekte, die Kontaktaufnahme zu den Schulen und anderen Institutionen und Beteiligten als auch den zeitlichen Rahmen.

    Die Pädagogische Praxis trägt zur Wiederherstellung einer positiven Lernstruktur bei. Wenn dieses Ziel erreicht ist, können weitere fachliche Hilfestellungen wieder greifen. In der „PäP“ wird der Weg gesucht, den der Jugendliche selbst unter Begleitung von Eltern und Lehrern gehen kann. Die „PäP“ ist mittelfristig als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt.

     Im Umgang mit dem Jugendlichen kommt die Didaktik und Methodik einer modernen Erlebnispädagogik ergänzt durch die ressourcenstärkenden Möglichkeiten des Kreativen Schreibens zum Einsatz. Zunächst werden alte Muster aufgespürt und gemeinsam analysiert. Danach werden durch viele kleine „positive Rituale“ neue Strukturen im Alltagsablauf, im Sozialverhalten und in der Kommunikation gemeinsam „gefunden“ und eingeübt.

 Die Ziele der „PÄP“ sind erreicht, wenn

1. für den betroffenen Jugendlichen die passenden Hilfestellungen für die kritischen Entwick-

    lungsphasen herausgefunden wurden,

2. Eltern und Kind wieder im Dialog miteinander sind

3. Lehrer dem Schüler Lernerfolge wieder zutrauen und

4. auch der Jugendliche aufgrund seines verbesserten Selbstwertgefühls sich selbst wieder in der

    Herkunftsfamilie aufgehoben fühlt und sich Leistungen wieder zutraut und motiviert ist,

    weiterhin zusätzliche Anstrengungen zur Überwindung seiner Entwicklungsauffälligkeiten zu

    erbringen

5. wieder eine Beschulung durch die Regelschule erfolgen kann

6. der Schüler in den Schulalltag  und der Jugendliche in die Familie reintegriert ist.

Die „PäP“ arbeitet nach dem finnischen Modell im dreigeteilten Unterricht: Unterrichtsblöcke bestehen immer aus einer Dreiteilung eines rhythmisch-musikalischen, eines wahrnehmenden und eines verarbeitenden Teiles. Dabei verbindet die „PäP“ die Wiederherstellung der positiven Lernstruktur mit den verschiedensten Trainingsformen zur Förderung von Lernvoraussetzungen (z.B. Wahrnehmungsschulung, Feinmotorik, Konzentration), zur Verbesserung der Lerntechniken, zur Kompensation von Defiziten (z.B. visuelle und auditive Schwächen) sowie einer fachdidaktisch fundierten inhaltlichen Arbeit am kritischen Lerninhalt (Sprache, Mathematik, HSU usw.). In der Erlebnispädagogik und in der Schreibtherapie wird durch eine Fülle von Sinneserfahrungen das Erleben der eigenen Ressourcen gefördert und dem Jugendlichen dadurch ein neues Selbstwertgefühl vermittelt. Diese Vorgehensweise gründet sich deshalb selten auf nur eine Methode, ein Übungsverfahren oder auf einen isolierten Therapieansatz, sondern integriert verschiedene Elemente, individuell und ganzheitlich auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Heranwachsenden abgestimmt und auf die Zielvorgaben seiner individuellen Lernstruktur ausgerichtet.

6. Förderplan in vier Schritten

  1. Eingewöhnung
    • Beziehung herstellen
    • Verhaltensmuster herausfinden
    • Gründliche Anamnese in Zusammenarbeit mit den beteiligten Ämtern, Eltern, Familien
    • Feststellen der sozialen, emotionalen und kognitiven Ressourcen
    • Dokumentation des Entwicklungs- und Bildungsstandes in Zusammenarbeit mit den Jugendämtern, der Jugendhilfe und den jeweiligen Trägern nach Aktenlage
    • Feststellen des Status Quo, Auftrag und Ziel formulieren
  2. Fähigkeiten stärken, Wissensaufbau
    • Aufarbeiten der fehlenden Kenntnisse und sozialen Fähigkeiten
    • Grundlagenunterricht in Sozialverhalten
    • Stärkung des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens
    • Sinnesschule
    • Persönlichkeitsbildung
    • Ich-Wahrnehmung stärken
    • klassische Fächer fördern: Deutsch, Mathematik, HSU usw.
    • behutsames Heranführen an die Lehrpläne der jeweiligen weiterführenden Schulen
    • Gespräche mit Familie und anderen Betroffenen
    • Hilfeplan formulieren
  3. Wiedereingliederung
    • Neue Verhaltensmuster erarbeiten
    • Verständnis für Herkunftsfamilie herstellen
    • Kontaktaufnahme mit künftigen Schulen (oder Arbeitgebern)
    • Kennenlernen der Lehrer und Schüler
    • Schrittweise Eingliederung in die Familie (oder die Heimeinrichtung) und die Schule
    • Intensive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten
  4.  Weitere Betreuung
    • für eine Übergangszeit bleibt die „PäP“ beratend in Kontakt mit Schule, Schülern, Eltern und Lehrern5. Hilfeplan Die Kooperation mit der Praxis für Klinische Hypnose Anja Sieberichs gewährleistet:
    • 6. Betriebswirtschaft, Hauswirtschaft, Verwaltung
    • In der Hilfeplanung (nach § 36 SGB VIII) erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie, evtl. Pflegeeltern, Jugendämtern, Schulämtern, Schulen und allen übrigen Personen und Institutionen, die am Hilfeprozess beteiligt und zu beteiligen sind.
    •  Gesamtverantwortung für Qualitätsentwicklung, Konzept, Rahmenbedingungen, Personalführung, Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen
  • Budgetsteuerung, Betriebskosten, Finanzierung
  • Buchhaltung
  • Betriebswirtschaftliches Controlling
  • Sekretariat
  • Bereitstellung von adäquaten Räumlichkeiten
  • Werkstatt (in Kooperation mit KFZ-Reparatur Beytut)
  • Garten (in Kooperation mit M. Lausen)
  • Therapieräume (in Kooperation mit Praxis Anja Sieberichs)7. Personalstruktur und Leitung     Der Leiter der „PäP“ ist Klassen- und Oberstufenlehrer (Klasse 1 – 12) mit Waldorflehrer-Diplom und einer heilpädagogischen Zusatzausbildung (gleichgestellt mit dem 1. Staatsexamen), Autor mehrerer Bücher (u.a. „Was keiner wagt – Kreativ Schreiben auf der Spur der Sinne 1“, www.bernds-buecher.de, Flensburg 2013) und arbeitete seit Juli 2003 als Lehrer, zunächst in der FWS Flensburg. Von Juni 2008 bis Mai 2013 war er als Selbstständiger im Auftrag des Jugendamts Hamburg in der sozialpädagogischen Intensivbetreuung nach § 35 SGB VIII tätig. Im Herbst 2013 brachte Herr Sieberichs gemeinsam mit seiner Frau die therapeutischen und pädagogischen Erfahrungen im Rahmen einer Leistungsvereinbarung in eine Bereitschaftspflegestelle nach § 34 SGB VIII ein. Das halbjährige Pflegeelternseminar der Stadt Flensburg wurde mit Zertifikat erfolgreich abgeschlossen.
  • Die Einrichtung stellt im Hinblick auf die persönliche Eignung der Mitarbeiter sicher, dass keine Personen beschäftigt werden, die wegen einer Straftat nach §§ 171, 174 bis 174c, 176 bis 181a, 182 bis 184e oder 226 SGB verurteilt worden sind, sondern nur im Sinne der §§ 72 Abs. 1 und 72a SGB VIII geeignet sind.

Die Leitung gewährleistet die pädagogische, die betriebswirtschaftliche, die personelle und die organisatorische Leitung und Verantwortung und steht in Aufnahmeverfahren und bei der Hilfeplanung den zuständigen Behörden persönlich als Ansprechpartner zur Verfügung.  Die Leitung steht vor Ort für die Kinder und Jugendlichen und deren Eltern als Ansprechpartner bereit. Sie ist verantwortlich für die erwartete Mitarbeit in öffentlichen Gremien (z.B. Arbeitsgruppen nach § 78, Beratung von Rahmenverträgen etc.), in Verbänden, bei Fachtagungen, für Entgeltverhandlungen, Weiterentwicklung der Konzeption, Qualitätssicherung und –Entwicklung, Kooperation mit anderen Einrichtungen und mit Kostenträgern bei der Entwicklung neuer Konzepte, Öffentlichkeitsarbeit usw.

7. Moderne Methoden mit den ältesten Mitteln

Unsere Arbeit basiert auf dem Menschenbild einer modernen Pädagogik, die sich ähnlich wie die lösungsorientierte Psychotherapie unserer Zeit schnell und flexibel auf die individuellen Bedürfnisse eines jeden Hilfesuchenden einzustellen vermag. Wir arbeiten mit den Mitteln einer modernen Pädagogik nach dem finnischen Modell, mit den Mitteln des Erlebnispädagogen und des Schreibtherapeuten sowie begleitender Therapieformen. Wir arbeiten mit bewährten Entspannungs- und Schreibtechniken, mit Konzentrationsübungen, mit der Sprache und dem geschriebenen Wort und mit den 4 Grundtemperamenten (Cholerik, Sanguinik, Phlegma, Melancholie) basierend auf 11 Jahren Berufserfahrung als Lehrer und Erziehungsbegleiter in der Jugendhilfe.

    Der Mensch und die Lösung seines individuellen Problems auf körperlicher, geistiger oder seelischer Ebene stehen immer im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Eine geschärfte Wahrnehmungsfähigkeit hilft beim Erkennen von Ursachen persönlicher Probleme. Das Erleben eigener Kompetenzen und die wieder erlangte Freude am eigenen Handeln steigern die Motivation und die Leistungsbereitschaft und stellen sich oft begleitend zu einem Erarbeiten neuer (kognitiver, Verhaltens-, Denk- und Gefühls-) Muster ein. Die Eigenverantwortung des Einzelnen wird gesteigert und Selbstreflexion wieder möglich.

 

8. Schreibtherapie hilft in vielen Bereichen

Wir arbeiten mit Heranwachsenden in der sozialpädagogischen Erziehungshilfe, bei Lern-, Verhaltens-  und Entwicklungsstörungen, bei sozialen Auffälligkeiten und bei Schul- oder Ausbildungsproblemen aller Art. Nach einer gründlichen Beleuchtung des persönlichen Hintergrunds können gemeinsam mit Betroffenen und ihrem familiären, schulischen oder betrieblichen Umfeld Lösungsstrategien entwickelt werden. Außerdem helfen wir jungen Erwachsenen und Jugendlichen, deren Gesundheit oder Allgemeinbefinden unterstützender, pädagogischer wie therapeutischer Maßnahmen bedürfen.

  Eine psychotherapeutische, lerntherapeutische und später auch eine logopädische Begleitung werden bei Bedarf hinzugezogen.

   „Wo liegt die Ursache für mein Problem? – Wie kann ich besser mit mir umgehen? – Wie kann ich lernen, meine Selbstheilkräfte zu aktivieren? – Welche Auswege gibt es aus meinem Dilemma?“

9. Synergien nutzen

Seit über 20 Jahren beschäftigen wir uns beruflich mit den heilsamen Kräften des Schreibens, die wir auch im pädagogischen Alltag an der Flensburger Waldorfschule jahrelang erfolgreich anwenden konnten. Aus der Summe der Erfahrungen resultieren mehrere Bücher:

– WAS KEINER WAGT – Kreativ Schreiben auf der Spur der Sinne 1, Flensburg 2013

– DAS SOLLT IHR WAGEN – Biographisches Schreiben auf der Spur der Erfahrungen 2, Flensburg 2015

– DAS FÜHRT AUS – Therapeutisches Schreiben auf der Spur der Gefühle 3; Flensburg  2016

   Von Juni 2008 bis Mai 2013 arbeitete der Autor als psychologischer Berater, Erziehungsbegleiter und Erlebnispädagoge in einer Heimeinrichtung für ein Hamburger Jugendamt. Seit Herbst 2013 ist er in der eigenen Pädagogischen Praxis „PäP“ nach § 27 – 35 SGB VIII (mit Ausnahme der §§ 33, 34 SGB VIII) tätig und  publiziert weiterhin Bücher als Schreibtherapeut und als Sachbuchutor. Die Eheleute Sieberichs sind zertifizierte Pflegeeltern der Stadt Flensburg.

   Der therapeutische Bereich der Pädagogischen Praxis wird von der Heilpraktikerin, Anja Sieberichs, betreut werden, die seit über 7 Jahren erfolgreich in eigener Praxis als Psychotherapeutin, als Klinische Hypnosetherapeutin und als Hypno-Analytikerin auch überregional tätig ist.

   Als besondere pädagogische Maßnahme ist die regelmäßige Kooperation mit einer ortsansässigen KFZ-Werkstatt geplant, in der die jungen Menschen in Team- und Einzelarbeit in der Reparatur von Autos unterrichtet werden, um Selbstvertrauen in eigene Fähigkeiten zurück zu gewinnen oder neu zu erlangen.

10. Angebote im Einzelnen

Familienhilfe

      Kennenlernen

      Kommunizieren

      Konzepte entwickeln (neue Gesprächsmuster finden, Hilfeplanung, Lebensführung)

 Lernunterstützung

Wiedereingliederungs-Unterricht, finnisches Modell

Dreigeteilter Unterricht. a) Rhythmus  b) Wahrnehmung  c) Verarbeitung

Stützpädagogik

Förderunterricht

Phantasiereisen (begleitet und unterstützt durch die Klinische Hypnose)

Erlebnispädagogik (Sozialräume erkunden, Rituale anlegen, Natur, Kultur)

Musikunterricht

Wiederherstellung der Schulfähigkeit

Sozialkompetenz-Training

Kochen (Planung, Einkauf, Zubereitung, gemeinsames Essen)

KFZ-Werkstatt

Gartenbau

Hypno-Systemische Lösungen

Hypnosetherapie

Coaching

Familienaufstellung

Konfliktmanagement

Entspannungstechniken

Erlebnispädagogische Schreibtherapie* als Basismethodik aller Fächer

1. Biographie-Strategie – Eigenarten und Ursprünge des eigenen Wesens erkennen lernen, Ressourcen entdecken, Selbstwertgefühl stärken, Selbstbewusstsein fördern, erleben und stärken

2. Tagebuch- und Brief-Strategie – Wege zu mir und Wege zu dir finden, Probleme in Worte fassen, Annehmen durch Loslassen, Kommunikationsfähigkeit wiederherstellen

3. Mythologie-Strategie – die Reise der Helden, Standpunkte verlassen, Mut fassen, Ziele formulieren, Perspektiven entwickeln, Kommunikationsfähigkeit stärken

4. Poesie-Strategie – Innerem Ausdruck geben, Äußeres zum Eindruck werden lassen, seelische Stärkung bis in die Physis spüren lernen, Bindungsfähigkeit stärken und/oder wiederherstellen

*Erläuterung zur Schreibtherapie:

Die Wirksamkeit der Schreibtherapie wird seit über einem Jahrhundert besonders in den englischsprachigen Ländern erforscht und dokumentiert. In Deutschland werden die äußerst positiven Wirkungen (u.a. auf Diabetes- und Tumorpatienten) erst seit knapp zwei Jahrzehnten wahrgenommen. Neue Studien (Deutsche Gesellschaft für Poesie- und Bibliotherapie) und die Forschungsarbeit der Alice-Salomon-Fachhochschule in Berlin bestätigen, was vielen Menschen immer noch als Wunder erscheint: Der Mensch trägt die Kräfte zur Lösung all seiner Probleme in sich selbst, kann lernen, Schwächen mit Stärken zu überwinden. Und die Pädagogik jeder Therapie oder in anderen Worten, die Erziehung zur Selbsterkenntnis, ist mindestens der halbe Weg zur Heilung. Diese Methode dient dazu, verloren gegangenes Vertrauen in eigene Fähigkeiten wieder zu erwerben und ist Unterbau aller Regelschulfächer, die dem einzelnen Schüler vermittelt werden, um wieder Anschluss an die staatliche Schule finden zu können.

 

11. Einsatzgebiete der Pädagogischen Praxis

Lernstörungen = Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste, Überforderung, Versagen, Schreib- und Leseschwäche, Hyperaktivität

Entwicklungsstörungen = Kontaktprobleme, Verzögerung, Trennungsängste, Essstörungen, Schlafstörungen, Psychosomatische Beschwerden

Verhaltensstörungen: = heftiges Pubertieren, soziale Auffälligkeiten, „Zappelphilipp“– und „Klassenkasper“–Syndrom

Familienprobleme: = Arbeitslosigkeit, Beziehungsprobleme, atmosphärische Spannungen, Scheidungskinder, Trennungsphasen, Alleinerziehende, Differenzen bei Kultur- und Wertvorstellungen, gestörte Kommunikation

Schulprobleme: = siehe auch: „Lernstörungen“, Leistungsdruck, Überforderung, Versagensängste, Beratung bei Schulwechsel, Schulwahl, Wiederherstellung der Schulfähigkeit

„Sprachlosigkeit“: = Wahrnehmung und Sinne schulen, um Kommunikationsfähigkeit zu stärken

 

12. Analyse von Klientel und Problematik

Nach unserem persönlichen Erleben, gestützt auf zahlreiche Gespräche mit Heimleitern, Pädagogen und Eltern gibt es im gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen, die schulpflichtig aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht schulfähig sind und trotz ihrer Schulpflicht nur sporadisch oder gar nicht mehr beschult werden. Auch die Medien haben sich aufgrund zunehmender Klagen von Schulen und Elternhäusern des Themas verstärkt angenommen.

    Die Gründe für die geschilderte Misere sind individuell verschieden. Doch fast immer spielen sich die Dramen dieser Jugendlichen vor dem Hintergrund geschwächter, sozialer Strukturen (Scheidungskinder, Alleinerzieher-Kinder, Eltern Doppelverdiener, Großeltern fallen aus, ausufernde elektronische Bindung mit Bindungsverlusten im sozialen Miteinander), diverser Suchtproblematiken, mangelnder Bildung, einer abstumpfenden Langeweile und einem fehlenden Antrieb zum Durchbrechen dieser „Teufelskreise“ ab.

    Die Jugendämter wissen von dramatisch steigenden Zahlen der Inobhutnahmen zu berichten. Auch die Klientel der Kinder und Jugendlichen, die eine Eingliederungshilfe oder intensive Einzelbetreuung in Anspruch nehmen müssen, wächst ebenfalls beständig.

    Viele Lehrer beklagen ihre Überforderung mit einem System, das immer mehr Verwaltungsaufwand erfordert und gleichzeitig die gesamte Erziehungsaufgabe immer mehr auf ihren Schultern ablädt, weil die Strukturen der Familie sich u.a. unter wachsendem Einkommensdruck und steigenden Scheidungs- und Trennungsraten schneller und durchgreifender verändern als früher und deshalb immer weniger Erziehungsberechtigte in der Lage sind, ihrem Erziehungsauftrag auch wirklich gerecht zu werden.

    Eine begleitende (sozial-) pädagogische Hilfe für die Kinder und Jugendlichen, die sich am Rande des persönlichen Scheiterns befinden, ist nicht nur notwendig, sondern in Hinblick auf eine vorgezeichnete Karriere sozialer Devianz mit all ihren schwerwiegenden (oft auch finanziellen) Folgen durchaus auch präventiv, zumal in der Pädagogischen Praxis „PäP“ alle Beteiligten einbezogen werden. Nur Bildung gewährleistet auf Dauer eine gedeihliche Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, ermöglicht Arbeit, Einkommen und den Beitrag zu funktionierenden Strukturen in einer lebenswerten Gemeinschaft.

  Der Nutzen einer Wiedereingliederung, die den Teilnehmern einen Schulabschluss nach dem Motto der „PäP“ („Leben ▫ Lernen ▫ Halt finden“) ermöglicht, liegt auf der Hand. Außerdem wird ein erfolgreich wieder in den (Aus-) Bildungsweg eingegliederter Heranwachsender einen Bruchteil der Kosten verursachen, den ein auf Dauer Gescheiterter die Gemeinschaft (also auch die Jugendämter und Jugendhilfen) kosten wird.

13. Rechtsgrundlage und Ziele

Je nach individueller Problemlage ergibt sich ein ganzes Spektrum an Zielen:

– (Wieder-)Herstellung der Erziehungsfähigkeit (§ 27 Abs. 1 SGB VIII)

– Gewährleistung der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes/Jugendlichen (§ 1Abs.3, Satz 1 SBG VIII) in belasteten Situationen

– sozialer Kompetenzgewinn (§§30, 31, 32, 35 SGB VIII)

– Verselbstständigung (§ 41 SGB VIII)

– (Wieder-)Herstellung der Schulfähigkeit

– evtl. auch Sicherung des Kindeswohls (§ 1 Abs. 3, Satz 3 SGB VIII)

 

14. Fallbeispiel

Der damals 12-jährige S.H. wurde Bernd Sieberichs vom JA Hamburg-Harburg im Rahmen  einer befristeten Hilfe zur Erziehung nach § 35 SGB VIII anvertraut. Im Auftrag eines Kinderheims war es zunächst Aufgabe des selbstständigen Erlebnis- und Heilpädagogen, zu beurteilen, ob S. nach drei Monaten Zusammenarbeit je wieder zu beschulen sein würde, oder ob ihn sein Weg – wie von der Jugendpsychiatrie Schleswig vorgeschlagen –, dauerhaft in eine Behinderteneinrichtung führen würde.

  Mit den Methoden eines erlebnispädagogischen, dreigeteilten Unterrichts wie oben beschrieben, hat Sieberichs es in 18 Monaten geschafft, S. auf der Förderschule Süderbrarup (SAM) unterzubringen. Ein Junge, der seinem Gutachter zu Beginn mit drei Zimmermannsnägeln in der Hand mit offener Gewalt drohte, der latent gewaltbereit und gewalttätig gegenüber Erziehern und Mitbewohnern war, der zum damaligen Zeitpunkt nach einer Messerattacke auf den Klassenlehrer zwei Jahre nicht beschult worden war, der als 12-jähriger eine Akte mit 17 Delikten von Körperverletzung bis zu Einbruch/Diebstahl vorzuweisen hatte, der von der Kinderpsychiatrie als „Grenzgänger“ eingestuft wurde und kurz vor der erneuten Einweisung stand, besuchte mit einem auf Betreiben des Pädagogen attestierten Behinderungsgrades von 80 % bis zum Abschluss die Förderschule und ist heute nach intensiver weiterer Erziehungsbegleitung in einer beruflichen Teilhabemaßnahme bei den MÜRWIKER Werkstätten.

   Diese äußerst positive Entwicklung hat das Jugendamt wohl zu mehreren Verlängerungen der ursprünglich auf drei Monate befristeten Maßnahme bewogen. So konnte in über fünf Jahren Zusammenarbeit aus einem gewaltbereiten, zutiefst verstörten und kriminellen Kind ein junger Erwachsener werden, der eine Perspektive und zum ersten Mal in seinem Leben Halt und Zukunftsmut gefunden hat. Das nächste Ziel lautet: Hauptschulabschluss.

 Kontakt

Pädagogische Praxis „PäP“ Bernd Sieberichs

Trögelsbyer Weg 36 e

24943 Flensburg

Telefon 0461-6756926

Mobil 0175-3809825

bernd-sieberichs@web.de

www.schreib-therapie.de

 

Impressum

© copyright und urheberrechte aller texte und bilder dieser broschüre by www.bernds-buecher.de, flensburg 2014

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bernd-sieberichs@web.de

0175-3809825

 

Literatur- und Pressehinweise zum Thema „Therapeutisches Schreiben“:

– Hauf, M., Andrews, V.C.:   Romance, Suffering and Hope: Reflective Practice with Abused Women, nach: Journal of Poetry Therapy, Vol. 15, Nr. 4, 2002, S. 232

– Heimes, Silke: Kreatives und therapeutisches Schreiben – Ein Arbeitsbuch, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2013

– Schulte-Steinicke, B.: Bilder werden Worte. Wirkungen und pädagogische Einsatzmöglichkeiten des kreativen Schreibens. Berlin 2000

– Werder, Lutz von: Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten. Die eigene Lebensgeschichte kreativ schreiben. Berlin 1996

– Sieberichs, Bernd: Was keiner wagt – Kreativ Schreiben auf der Spur der Sinne 1, Flensburg 2013