HIMMEL & HÖLLE – die Schöpfer sind wir

15. April 2017 at 23:22

 Liebe und Kreativität sind die mächtigsten Kräfte der Menschen. Mit der Liebe können wir Leben erschaffen, ohne genau zu verstehen, was wir da tun. Und mit unseren Träumen, Hoffnungen und Ideen können wir allein aus geistiger und seelischer Energie Materie erschaffen.
 Wir sind Liebende, wir sind Kreative, wir sind Künstler!
 Wir sind Schöpferwesen, die sich ihres Ursprungs beraubt fühlen. Was wir nahezu vergessen haben, taucht manchmal auf: schemenhaft in einer Vollmondnacht, in einem Gebet, einem Deja-vu, in einem Bild oder in einem Musikstück, poetisch verbrämt in einem Gedicht, glasklar in einer Vision, mit der Glut eines Liebesschwurs. Unserer Sehnsucht nach diesem paradiesischen Urzustand geben wir Ausdruck in Tanz, Musik, Kunst, Literatur und natürlich in der Ausgestaltung unserer endlosen, unendlichen, alltäglichen Dramen, genannt: LEBEN!
 Weil unsere Sehnsucht nach Heimkehr ins Paradies uns ein Leben lang umtreibt, weil wir uns heimatlos und ängstlich und vertrieben fühlen, sind wir Meister im Verdrängen dieser Urängste geworden und haben gelernt, diese Ängste zu verbergen, zu unterdrücken und zu sublimieren.
 So konnte aus Liebe Hass werden und aus Halt- und Heimatlosigkeit das Bedürfnis, das gesamte Leben mit starren, vermeintlich sicheren Strukturen zu durchwirken und zu überziehen. Wir schufen uns Systeme, die uns den verlorenen Halt zurückgeben sollen, uns in Wahrheit die ersehnte Sicherheit nur vorgaukeln. Wir erfanden Geld und Gesellschaft; wir zogen aus der Höhle auf den Hof; wir bauten Dörfer, Städte, Burgen und schließlich Nationen; wir schufen abstrakten Schutz durch Politik, Verwaltung, Staat, Versicherungen, Militär, Gesundheits- und Bildungswesen und die gesamte Kultur. Dabei haben wir übersehen, dass Angst ein schlechter Berater ist, weil sie lähmt, anstatt zu beflügeln; und weil sie uns in Zweifler, Zeterer und Zauderer spaltet, anstatt uns zu tatkräftigen, hochfliegenden und kühnen Erfindern, Träumern und Zauberern zu verwandeln. Und so kam Neid, Missgunst und Zwietracht auf. Wir führten einen Krieg nach dem anderen, weil wir unsere Führer nicht genug hinterfragten. Wir ließen uns viel zu leicht Angst machen. Wir lassen uns viel zu leicht manipulieren. Wir lassen uns viel zu oft in die Irre führen. Wir vertrauen unserer kreativen Liebesfähigkeit nicht mehr. Wir vertrauen uns selbst nicht mehr, und deshalb können wir uns auch nicht länger selbst lieben. Wer sich selbst nicht liebt, kann niemanden mehr lieben.
 Und mit diesem Wahnsinn fangen wir in frühester Kindheit an.
 Wir pressen schon unsere Kleinsten, die noch mit ihren natürlichen Abenteurerherzen ausgestattet sind, in das Korsett frühkindlicher Erziehung; sperren in Förderung ein, was in Freiheit gehörte; vertrauen Fremden an, was nach dem Schonraum der Familie verlangt; digitalisieren, formieren und bildungsreformieren, was nach Erde an den Händen, Gras unter dem Po und Blüten im Haar schreit. Wir machen aus Spieltrieb, und aus Neugier und aus Phantasie Bildungsanstalten und Frontalunterricht und Lehrpläne.
 Später übertragen wir unsere Angstgefühle, unsere Begierde nach Sicherheit dann auf die bunte Erwachsenenwelt der wunderbaren Dinge. Wir konsumieren leblose Gegenstände, um unsere Sehnsucht nach schöpferischer Freiheit zu betäuben und verlernen so, kreativ, gestaltend und selbstständig zu fühlen und zu handeln. Wir drangsalieren Menschen, um uns unseren eigenen Abgründen nicht stellen zu müssen. Wir kleiden unsere Selbsttäuschung, unsere Verlogenheit und unsere Heuchelei in das fadenscheinige Mäntelchen unserer MORAL. Und dann benutzen wir diese Moral und urteilen dauerhaft über alles und jeden, um bitte-bitte-um-Himmels-willen-ja-nicht irgendjemand an uns heran zu lassen und einem Gegenüber unseren innersten Kern zu entblößen, der in bitterer Einsamkeit, voller Heimweh und Verlorenheit verzweifelt nach Miteinander, Sinnhaftigkeit und Erfüllung schreit. Wir schimpfen über Menschen, die anders leben als wir und erkennen nicht, dass wir anders leben als sie. Wir vergraben unsere Verzweiflung, unser Heimweh und unsere Verlorenheit unter einem Mount Everest des Hedonismus. In dem Maße, in dem das Streben nach Glück unser einziger Daseinsgrund zu sein scheint, entfernen wir uns von dem Land vor unserer Geburt.
 Selbst die Kunst, die uns einst den Weg zurück ins Schöpferparadies weisen sollte, haben wir zugrundekommerzialisiert. Wie lächerlich es ist, ein großartiges Gedicht von Byron oder Hesse oder Lieschen Müller analysieren und interpretieren zu wollen. Verdichtete Worte und Gedanken, die uns zurück ins Sehnsuchtland der verloren geglaubten Gefühls-Heimat führen wollen, werden mit einer starren Form und Struktur überzogen. So, nur so, glauben wir, würden diese Worte uns die Sicherheit ihres Verständnisses vermitteln. Syntax und Semantik reißen die Sprache aus dem subjektiven Unverbindlichen und verleihen ihr das objektiv Allgemeinverständliche. Welch aberwitziger Trugschluss! Form ist der Tod jeder Kunst – der Sprachkunst genauso wie der Lebenskunst.
 Zurück ins Gelobte Land kommen wir immer dann, wenn wir erkennen, dass wir selbst die Schöpfer unseres Paradieses sind.
 Wir gestalten unsere eigene Hölle, aber bitte lasst uns auch unseren eigenen Himmel schaffen.
 Jeder einzelne Mensch ist von Natur aus und von Geburt an mit der Fähigkeit ausgestattet zu fühlen, zu gestalten und zu lieben. Diese Liebesfähigkeit ist es, die uns zu Schöpferwesen macht. Ohne Liebe sind wir verloren – nur durch Liebe werden wir geboren! Also, Freunde, macht, was Ihr wollt!!!