Ein Gedicht in jedem Wort

3. Dezember 2013 at 19:56

Buchstabensalat

Schreiben Sie auch schöne Gedichte – und verschenken Sie die Verse zu jeder Gelegenheit an Ihre Lieben!

Gemeinsam Dichten macht nicht nur Spaß: „Schreiben heißt, sich selber heilen!“

DER JAHRESZEITENDICHTER

TIPPS für Kreative

3. Dezember 2013 at 12:05

In loser Reihenfolge werde ich an dieser Stelle meinen Lesern vollkommen subjektive Hinweise geben.

„Zeitzuleben“ ist eine sehr vielfältige Seite, die sich mit Selbsthilfe, Motivation und Persönlichkeitsbildung beschäftigt. Und, hey liebe Leute, ehe nun wieder der Kommentar kommt „Die wollen ja nur verkaufen!“. Von Kreativität, Hilfe zur Selbsthilfe und Kunst seinen Lebensunterhalt zu fristen, ist ein extrem schwieriges Unterfangen. Ich denke, das Thema „Lebensunterhalt“ ist für jeden Menschen aller Ehren wert. Seltsamerweise beschwert sich niemand beim Bäcker, dem Handy-Verkäufer oder dem Hausarzt, wenn er über Backrezepte, Klingelton-Angebote oder Pharmaprodukte Kundenbindung erzeugt.

Wir wollen alle von unserer Arbeit leben können. Oder wir müssen endlich Arbeit von Lohn entkoppeln. Aber das ist wieder ein anderes Thema – wenn auch ein sinnvolles, gutes, fruchtbares, zukunftsweisendes 😉 !

Ich finde die Seite außerordentlich informativ:

http://www.zeitzuleben.de/2044-10-tipps-sich-selbst-zu-motivieren/

Angeln

3. Dezember 2013 at 10:38

DAS LAND DER SPRECHENDEN NAMEN

Es gibt Münchener in Hamburg, Wölfe im Schafspelz, Stürme im Wasserglas und den Mann im Mond. Doch was, um alles in der Welt, hat ein frankophiler Rheinländer – »enne wascheschte Öscher Jonge (Aachen, wa?!)« – nördlich von Haithabu, im Land der Wikinger, verloren?

   Nun, verloren hat er nichts, aber dafür etwas gefunden: die Liebe, nämlich. Die Liebe zu seiner Frau hat ihn vor 27 Jahren in den Norden geführt. Hier wurden ihm drei Kinder geboren; hier begann er zu schreiben; hier fand er Freunde, Muße, Muse und Heimat. Über die Jahre ist noch eine andere Liebe gewachsen: die Liebe zum Land zwischen den Meeren und die Zuneigung zu den Menschen, die es auf meist freundliche, oft erfrischende, immer aber beharrliche Art und Weise mit ihrem Leben erfüllen.

   Hier und da gibt es ein paar unwirsche Wirrköpfe; linke Larifaris, rechte Randalierer, nördliche Hochnasen und südliche Tiefflieger. Aber gibt es die nicht überall? Sie werden mit Langmut ertragen. Es sind so wenige, dass man sich diese Nachsicht sogar leisten kann, weil sie das Image abrundet. ‚Hexenverbrennung und Inquisition sind unsere Sache nicht‘, sagen die Besonnenen. ‚Sollen die Südländer sich damit befassen.‘ Vielleicht verstehen die Nordlichter eher als andere, dass die Stärke einer Gemeinschaft am Umgang mit ihren schwächsten Gliedern bemessen wird.

   Ja, die Uhren ticken anders bei uns! Die Stürme blasen heftiger und richten doch weniger Schäden an. Die Luft riecht salziger, das Wasser schmeckt süßer, die Wälder tragen später Laub. Der Regen fällt oft, dafür aber heftiger. Die Sommernächte schlafen kürzer, die Wiesen sind von saftigerem Grün, und der Raps kleidet sich in goldeneres Gelb als anderswo; wir sind eben dichter dran an der Natur. Und als Ausgleich ein bisschen weiter weg vom Schuss. Im Ernst: Wer begibt sich schon freiwillig in die direkte Schusslinie? Nervenkitzel ist etwas für Großstadtmenschen. Wir hier oben lassen lieber die Seele baumeln als die Nerven kitzeln. Die Uhren ticken anders. Nicht langsamer; auch nicht schneller; einfach anders.

   Leider trifft das Klischee von der heilen Welt nicht auf alle Lebensbereiche zu. Seinen Lebensunterhalt muss man sich auch im idyllischen Norden verdienen. Der arme Poet versucht das halt mit dem Verfassen mehr oder minder poetischer Literatur (und wird deshalb wohl immer arm bleiben). An Geld mag es mangeln, an Eindrücken nicht.

   Flensburg sei nicht unbedingt der Nabel der Welt, heißt es. Dabei hat die Stadt hat eine ganze Menge mit der Weltstadt San Franzisko gemein. Sie liegt an einer Bucht (nebenbei bemerkt: an der größten Förde Mitteleuropas. Die Naturfrische hat einen heimeligen Hafen und ihre Bewohner sind weltoffener als Binnenländer – vielleicht wegen des Hafens und seiner wechselhaften Geschichte. Die Schöne ist auf Hügeln erbaut, und auch in Flensburg gehören die Stadtplaner zur Spezies der verkannten Visionäre: eine zweispurige „Tangente“ mitten durch die Stadt, das neomonolithische Rathaus, ein Terrassen-Pissoir am historischen Südermarkt, ein historisches Stadttor, dass von Glas- und Stahlarkaden erschlagen wird, Schicki-Micki-Sarkophage für betuchte Pfeffersäcke, die die Hafenlinie und den Bürgerwillen unter sich begraben und noch eine (und noch eine und…) größenwahnsinnige Einkaufsgalerie mit dem Charme der Beliebigkeit legen weithin sichtbar Zeugnis von der Einfalt der Einfälle ab und sind doch nur wenige Fälle unter vielen… Zum ausgleichenden Augenschmaus kann der Besucher an jeder Ecke und in zahllosen Hinterhöfen, den alten Speichern aus Flensburgs ru(h)mreicher Vergangenheit, Historie und Histörchen schnuppern, sich an einer quirligen Kulturszene erfreuen und den Rätseln einer Vergangenheit nachspüren, die überall lebendig weil anschaulich ist. Was bedeutet der Sarkophag im Spiegelkabinett? Die Form des Christiansenparks? Wie kam Flensburg zu seinem Namen? Oder zu seinem Mittelpunkt? Was hat die Rum-Regatta mit Rum zu tun und woher kommt dieses einzigartige – „Ich sach ma: Charisma!“ – Flair?

   Oder Schleswig, das Kleinod an der Schlei, mit seiner Wikingervergangenheit und einer Kultur- und Stadtgeschichte, die reicht, um mehr als die Geschichtsbücher eines Jahrtausends zu füllen. Eine Kleinstadt, die mehr Charme und mehr Herz als manche Großstadt zu bieten hat, deren Kultur- und Wirtschaftsleben aber nie mehr aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen scheinen (und das ist auch gut so!).

  Schleswig hat den Holm, die winzigen, windschiefen Fischerhäuschen, das St. Johanniskloster mit den adeligen Damen, den Dom, Schloss Gottorf, den begehbaren Globus und natürlich schlägt hier das Herz der Wikingerwelt des 21. Jahrhunderts. Und Schleswig bleibt manch drohender Bausünde gegenüber streitbar, um sich die einzigartige Mixtur aus reicher Kulturlandschaft und nordischer Naturschönheit nicht verderben zu lassen.

   Husum, die kleine Graue, die so gar keine graue Maus mehr ist.

   Friedrichstadt, das Klein-Amsterdam des Nordens.

   Rendsburg, Heide, Eckernförde, Bordesholm, Eutin, Plön, Lübeck, die Holsteinische Schweiz, die Seen, die Wälder, die unendlich vielfältigen Küstenlinien.

   Liebliche Ostseegestade und rauer Inselcharme der Nordsee. Die Liste lässt sich fortsetzen. Die Naturschönheiten sind ebenso zahlreich wie die Kleinstädte und die echten, gewachsenen Dörfer mit dem besonderen Charakter und Lebensgefühl.

    Dann ist da noch Angeln; das Land der Knicks, der Hünengräber und der Mühlen. Das Land zwischen den Förden, von der Eiszeit geformt; mit nie versiegenden, eisblauen Bächen; mit blühenden Frühlingsfeldern gelber Rapskissen im Schutze grüner Hügel; das Land der lebendigen Geschichte, der bedächtigen Menschen und der sprechenden Ortsnamen.

   Der Reisende kommt durch Klappholz, mag nach Mohrkirch oder durch Freienwill fahren und sieht überall Spuren einer deutschdänischen Vergangenheit, kann erkennen, dass dieses Land seine Bewohner nicht mit Aufregung und Abenteuern begleitet, sondern jeden, der sich auf Angeln einlässt, mit etwas von viel größerem Bestand beschenkt: mit Respekt vor der Natur und Achtung vor ihren Schöpfungen.

   Die Menschen zwischen den Meeren machen Schleswig-Holstein zu dem einzigartigen Kultur-, Erlebnis- und Brückenland, das Mitteleuropa an Skandinavien anbindet und die herbe und urtümliche Schönheit des Nordens mit den lebensfrohen und feinsinnigen Kulturgütern des Südens versöhnt.

   Nach mehr als der Hälfte des Lebens in der neuen Heimat ringe ich mit mir, ob ich die Schönheit des Flensburg-Fjords, der Eiszeit-Landschaft Angeln, der gewachsenen Dörfer rings um die wundersame Schlei lieber für mich behalte – ein Geheimtipp spricht sich immer so schnell herum. Selbstverständlich schreiben alle Heimatschriftsteller von der Schönheit ihrer Lebenswelt. Aber ich, liebe Reisende, ich habe wirklich gute Gründe ohne Ende für mein Loblied. Kommt einfach mal vorbei und seht selbst! 😉

aus: „DER PIEPMOTZ – politisch unkorrekt, garantiert voreingenommen, gnadenlos subjektiv, genial gut! AUSGABE 1, Oktober 2013.“